Die Sprache der Musik verbindet


Das haben 35 Schüler und Lehrer des Städtischen Goethe-Gymnasiums Bischofswerda selbst erleben können. Vom 18.-30. März 2007 besuchten sie ihre finnische Partnerschule Jalasjarven yläaste, mit der sie von 2000-2003 im Rahmen eines europäischen Schulprojektes zusammengearbeitet und seitdem die Verbindung durch die unterschiedlichsten persönlichen Begegnungen aufrechterhalten haben.
Während des Besuches des finnischen Windmusic Orchesters 2004 wurde der Gedanke, sich für ein weiteres Projekt, finanziell unterstützt durch Mittel der EU, bei dem der Austausch von mehr als 3 oder 4 Schülern möglich sei, zu bewerben. Die europäische Kommission gab die Zusage für unseren Projektvorschlag mit dem Titel "Musik - Mittler beim Erwerb der Sprache des Partnerlandes" im Herbst 2006. Natürlich war die Freude auf beiden Seiten riesengroß, denn mit der Zusage erhielten 20 Schüler und drei Lehrer jedes Landes die Chance, 14 Tage lang das Partnerland kennenzulernen und am Projekt gemeinsam zu arbeiten. An dieser Stelle möchten wir dem Förderverein der Schule danken, der die Kosten für den Aufenthalt von weiteren zehn Schülern übernahm.
Unsere Schüler, Mitglieder des Jugendchores oder der Schulband, lebten in den Familien, deren Kinder Bischofswerda im Frühjahr 2006 besucht hatten bzw. bei Schülern der Klasse 8A, die von unseren Partnern für das Projekt ausgewählt worden waren. Hauptziele dieser ersten Mobilitätsmaßnahme waren das gemeinsame Einstudieren von Liedtexten, intensive Proben und Studioaufnahmen. Schon am Anfang erfuhr jeder, dass die englische Sprache als sogenannte "Brückensprache" für die gegenseitige Verständigung von enormer Wichtigkeit war, oder das Gelernte aus der Finnisch AG bzw. Wendungen aus dem Überlebenswörterbuch, mit zusammengestellt von unserer Fremdsprachenassistentin Elina Kivistö, beim Gastgeber Türe und Tore öffnen konnten. Die Erfahrungen von Land, Leuten und deren Lebensweise sind so vielfältig, dass wir hier nur einige wenige für uns doch sehr neue Eindrücke benennen möchten.
Wir erfuhren, dass manche Schüler bis zu 50 km von der Schule entfernt wohnen, die Schule einen Parkplatz eigens für Traktoren hat, denn mit 14 Jahren kann man in Finnland den dazugehörigen Führerschein erwerben. Man muss sich vor jedem Klassenzimmer die Schuhe ausziehen und ein einmal entworfener Ablaufplan kann am Tag bis zu zehn Änderungen erfahren, weil man sich der jeweiligen Situation anpassen möchte. Die Finnen sind sehr freundlich, flexibel und anpassungsfähig. Finnische Gasteltern "stopfen" sehr reichhaltiges und gutes Essen in ihre Gastkinder. Wenn man alles kostet, erwidert man die angebotene Gastfreundschaft. Finnische Lehrer sprechen fast alle gut Englisch und das wohlschmeckende Mittagessen, wird noch in der Schule gekocht. Man kann zum Beispiel mit wenig Aufwand eine Turnhalle in einen Konzertsaal verwandeln.
In diesem Saal fand als Höhepunkt der gemeinsamen Arbeit am Donnerstag, dem 29. März 2007, ein Konzert der Chorgruppen und Bands beider Länder, untermalt von einer Videoshow, die den Gesamtablauf des Projektes dokumentierte, statt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt merkte jeder Beteiligte, dass die zwei Wochen intensiver Arbeit an Musik und Sprache einfach zu schnell vergangen waren. Der Abschied am folgenden Morgen fand nicht ohne Tränen statt, denn man hatte viele neue Freundschaften geschlossen und mancher deutsche Schüler hatte schon geheime Pläne geschmiedet um länger dort zu bleiben. Der Gedanke an den Rücktausch, wenn vom 15.-28. September 2007 die finnischen Schülerinnen und Schüler nach Bischofswerda kommen werden, ließ den Abschied schließlich leichter werden. Bis dahin wird es sicherlich einen regen E-Mail oder Briefaustausch geben oder auch einen privaten Besuch beim neuen oder alten Freund im Partnerland. Zum Schluss möchten wir den finnischen Lehrern und Schülern folgende Worte sagen "Paljon kiitoksia - Herzlichen Dank".

C. Frenzel (Projektkoordinator)